Die Revolten im Maghreb und der europäische Kampf gegen Migration

Diskussionsveranstaltung mit Helmut Dietrich

Ort: Paderborn, Kulturwerkstatt (Cafeteria), Bahnhofstr. 64

Als im Januar letzten Jahres mit den Unruhen in Tunesien das begann, was heute bereits als „arabischer Frühling“ in die Geschichte eingegangen ist, war noch nicht klar, welchen Ansteckungseffekt auf die gesamte Region damitverbunden war.
In Algerien, Ägypten, im Jemen, Bahrain, Libyen und Syrien setzten sich die Menschen gegen diktatorische und autokratische Machthaber teils mit Erfolg zur Wehr, und die Auseinandersetzungen dauern weiter an.
Welche Bedingungen waren nötig, damit die Aufstände sich verbreitern und wirkmächtig werden konnten? Neben der Organisierung über facebook und twitter waren dies vor allem ein dichtes Geflecht an Alltagsbeziehungen sowie eine jahrelange Streikbewegung mit ersten Versuchen autonomer Gewerkschaftsorganisierung.
Die Unruhen zielen langfristig auf gerechte und würdige Lebensverhältnisse innerhalb der arabischen Gesellschaften, aber auch auf ein verändertes, nicht länger von Ungleichheit und Abhängigkeit geprägtes Verhältnis zu Europa und Nordamerika. Die Migration nach Europa ist durch die Kriminalisierung der freien Ausreise in Nordafrika, durch Visa-Bestimmungen und die Jagd auf Illegalisierte durch FRONTEX stark blockiert. Das Mittelmeer bei Gibraltar und zwischen Tunesien und Süditalien ist zum größten Massengrab der euromediterranen Nachkriegsgeschichte geworden. Das Projekt EU-Europa scheitert: vom Süden her.
Auch innerhalb Europas rumort es, die Krisen-Proteste in Griechenland, Spanien, Italien und Portugal beziehen sich direkt auf die Unruhen in der arabischen Region. Es kommt zu verstärkten transkontinentalen Vernetzungen wie dem Projekt „Boats 4 People – Schiffe der Solidarität“, das im April starten soll.

Der Referent Helmut Dietrich ist Sozialwissenschaftler und hat von 2006 bis 2010 als Dozent an Universitäten in Tunesien und Algerien gearbeitet.

Veranstalterinnen: ausbrechen (Ex-Bürengruppe), BDP-Infoladen, Projektbereich EineWelt an der Uni Paderborn, Freies Radio Paderborn, Linkes Forum Paderborn

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

Am kommenden Dienstag den 31. Januar um 19:00 Uhr in der Kulturwerkstatt Paderborn

Nächsten Freitag: Kriegsfotografie

Vortrag

Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert wurde das ‚Sehen‘ und auch das ‚Erinnern‘ grundlegend verändert. Es schien als gäbe nun es ein Medium was die Wirklichkeit ‚so wie sie ist’ abbilden könnte. Mit dieser Mission vor Augen machten sich im 19. Jahrhundert erste Fotograf_innen auf, das Elend des Krieges zu dokumentieren.
Heute im digitalen Zeitalter sind Fotografien keine mystischen Wunderwerke mehr, sondern gehören zum Alltag. Bilder des Schreckens überfluten die Nachrichtenkanäle, das Internet, die Zeitschriften. Was vor allem können oder sollen „Bilder des Schreckens“ (Susan Sontag) in einer Kultur bewirken, in der sie mit einem Click wieder verschwunden sind?
Der Vortrag wird einen kurzen Abriss über die Entwicklung von Kriegsfotografie geben und dabei die Frage der Moral und des Sinns von Fotografie – auch aktuell – zur Diskussion stellen.

Am kommenden Freitag, den 27. Januar um 20:00 Uhr im Infoladen, Leostr. 75

Frauen in der Migration

Wem nützt der Kampf gegen Zwangsprostitution?
Diskussionsveranstaltung mit Rosina Juanita Henning

Seit November 2011 sind erstmals weibliche Abschiebehäftlinge in der JVA Büren untergebracht. Zynisch ließ der JVA-Leiter Strohmeier verbreiten, die Frauen wären besonders geschützt und insbesondere Opfer von Zwangsprostitution in Haft gut aufgehoben.
Mindestens zwei Drittel der in Deutschland arbeitenden Prostituierten sind Migrantinnen. Einer weit verbreiteten Sichtweise zufolge sind sie mehrheitlich „Zwangsprostituierte“, die in „sklavereiähnlichen Verhältnissen“ leben.
Der Kampf gegen „Zwangsprostitution“ und „Frauenhandel“ ist nicht nur gegen Prostitution als solches gerichtet, sondern schreibt Migrantinnen im öffentlichen Bewusstsein eine Opferrolle zu und bedient so die patriarchalische Grundausrichtung des europäischen Establishments mit ihren tradierten Vorbehalten gegen jede eigenständige weibliche Migration.

Wie und warum kommen Prostitutionsmigrantinnen? Was passiert eigentlich täglich im Prostitutionsgewerbe? Wie viel Menschenhandel gibt es in Deutschland? Wem nützt der Kampf gegen Zwangsprostitution?

Die Referentin ist Sprecherin von Dona Carmen, einem Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten in Frankfurt am Main. Die Organisation betreibt eine Beratungsstelle am Frankfurter Hauptbahnhof und lehnt eine institutionelle Zusammenarbeit mit der Polizei ab. Sie gibt seit 1999 mit La Muchacha die einzige Prostituiertenzeitung in Deutschland heraus.

Veranstalterin: ausbrechen (Ex-Bürengruppe)

Am nächsten Freitag, den 13. Januar um 20:00 Uhr im Infoladen, Leostr. 75

Burma VJ

Film&Diskussion

Myanmar, ehemals Burma, wurde bis zum 4. Februar 2011 von einer Militärregierung beherrscht, die seit 1988 jeglichen Versuch einer Demokratie z.T. blutig niederschlug. Burma VJ dokumentiert die wohl größten, gewalttätigsten und zugleich schockierendsten Ausschreitungen des Südostasiatischen Landes. Das Besondere dieser Aufstände war, dass sie von buddhistischen Mönchen und Nonnen angeführt wurden, denen sich bald Zivilisten aller „Schichten“ anschlossen. Anders als in der Vergangenheit schritt das Militär, wahrscheinlich auch aus Respekt vor den Geistlichen, nicht ein. Am 25. September 2007 entschied sich das Militär doch einzugreifen und griff BürgerInnen, StudentInnen, JournalistInnen, sonstige AktivistInnen und vor allem auch zahlreiche Tempel an. Offiziell sollen „nur“ zehn Menschen ums Leben gekommen sein – die Dokumentation Burma VJ zeigt, dass es mehr waren. Der Film der freien Journalistenvereinigung Democratic Voice of Burma, die eine Innenansicht der Geschehnisse von 2007 liefern und den World Cinema Documentary Editing Award auf dem Sundance Film Festival 2009 gewonnen haben, macht es möglich, eine der interessantesten und zugleich schockierendsten Protestbewegungen des letzten Jahrzehnts von Anfang an mitzuverfolgen.

Am nächsten Freitag, den 06. Januar um 20:00 Uhr im Infoladen, Leostr. 75

The Coca-Cola Case

Film&Diskussion

Dass Coca Cola nicht nur zuckersüß ist, zeigt dieser endrückliche Film über Blut, Tränen und Limonade. Abfüllfabriken in Kolumbien, Guatemala und der Türkei, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, mutmaßliche Kidnappings, Folter und Ermordungen von Gewerkschaftsführern. Gutierrez und Garcia ist mit The Coca Cola Case eine packende Dokumentation gelungen, die einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt.

Am kommenden Freitag, den 16. Dezember um 20:00 im Infoladen, Leostr. 75

Das Herz von Jenin

Film&Diskussion

Ein palästinensischer Mann lässt die Organe seines getöteten Sohnes spenden – an Patienten in Israel, gleich welcher Religion. Eine Wohlfühl-Geschichte? Mitnichten: Der Dokumentarfilm „Das Herz von Jenin“ macht es sich nicht einfach.

Inhalt:
DAS HERZ VON JENIN erzählt die wahre Geschichte Ismael Khatibs, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich am Kopf getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten.

Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um diese Kinder zu besuchen. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah.

Am kommenden Freitag, den 09. Dezember um 20:00 im Infoladen Paderborn, Leostr. 75

Castor Review

Rückblick, Ausblick + Film

Trotz pseudo-Anti-Atomenergie-Politik rollen Jahr für Jahr Züge mit Atommüll zum „Zwischenlager“ nach Gorleben – begleitet von enormem Protest. Die Anti-Atom-Bewegung ist eine der ältesten Bewegungen in der BRD und scheint stark wie lange nicht mehr. Wir sehen uns die Bewegung mal an und hören Interessantes vom letzten Castor-Transport. Außerdem gehts um das „wie weiter?“.

Am nächsten Freitag, den 02. Dezember um 20:00 im Infoladen Paderborn, Leostr. 75

Subkulturelle Farbenlehre, heute: Die Grauzone

Vortrag&Diskussion

Egal ob im Pop oder auf der Fußball-Fanmeile. Jenseits der White-Power-Bewegung etablieren sich rechte Lebenswelten, für die die Kategorie “Nazis” genauso wenig zutrifft wie die Bezeichnung “unpolitisch”. Ein Vortrag mit anschließender Diskussion.

Rechte Lebenswelten zwischen Punk, OI, Hip-Hop und Böhsen Onkelz

Immerhin: “Gegen Nazis” sind viele, die sich in Subkulturen oder in der Populärkultur bewegen – Frei.wild-Fans auf der Fußball-Fanmeile oder auch OI-AnhängerInnen, die die Politik sowieso ablehnen. Doch jenseits der White-Power-Rockmusik etablieren sich rechte Lebenswelten, für die die Kategorie “Nazis” genauso wenig zutrifft wie das Label “unpolitisch”. Sie sind irgendwo dazwischen, in der Grauzone. Diese Grauzone reicht weit hinein in “alternative” Szenen und bedeutet einen zunehmenden Raumverlust für linke, emanzipatorische Ideen.
Die Veranstaltung wird den folgenden Fragen nachgehen: Wo beginnt die Grauzone, wo hört sie auf? Wieso erlebt sie heute Dynamik? Und was sind eigentliche “rechte Lebenswelten”?

Am nächsten Freitag, den 25. November um 20:00 im Infoladen, Leostr. 75

Der Infoladen Paderborn unterstützt folgenden Aufruf Antifaschistischer Initiativen aus dem Kreis Lippe:

Kundgebung: Nach der Schändung der Gedenkstätte – Jetzt öffentlich protestieren: Neonazis in Detmold stoppen!

– Samstag, 19. November 2011 um 14.00 Uhr –

Veranstaltungsort:

Ameide / Bruchstraße
32756 Detmold

Gegen Verleugnung, Verdrängung und Verharmlosung

Nach der Gedenkfeier zur Pogromnacht am 9. November in Detmold wurde der Gedenkstein in der Lortzingstraße, dem Standort der ehemaligen Synagoge, unter anderem mit einem Hakenkreuz besprüht.

Dagegen protestieren wir öffentlich.

Der Protest richtet sich ausdrücklich auch gegen verharmlosende Aussagen des Polizeilichen Staa ts schutzes für Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld, demnach „von verstärkten Aktivitäten in Detmold aus dem rechten Spektrum oder einer festen Szene“ derzeit nicht gesprochen werden könne.

Denn: In Detmold gibt es seit Jahren eine gefestigte und vernetzte neonazistische Szene, die auch polizei-, als auch durch mehrere rech ts kräftige Urteile wegen Körperverletzungsdelikten und Bedrohungen, gerich ts bekannt ist.

Wir erinnern an die lange Kette antisemitischer Schändungen in Detmold – etwa der Zerstörung von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof im Jahre 2000.

Wir berichten von Menschen, die in den letzten Monaten in Ostwestfalen-Lippe bei einer insgesamt expandierenden rechten Szene von neonazistischen Einschüchterungen und Gewalttaten betroffen waren.

Wir werden verdeutlichen, dass die Spur der Kontakte der mordenden Zwickauer Neonazis und ihrem Netzwerk nicht nur in den benachbarten Landkreis Schaumburg, sondern auch zur ehemaligen „Nationalistischen Front“ in Detmold-Pivi ts heide führ t .

Neonazis haben in der Bundesrepublik in den vergangenen 20 Jahren 138 Menschen getötet – jetzt sind es zehn mehr.

Wir machen zum Thema, dass Akteure, die in der Vergangenheit wegen extremer Gewalttaten, oder auch im Zusammenhang mit Sprengstoff, verurteilt wurden, nach wie vor in Ostwestfalen-Lippe in neonazistischen Organisationen politisch aktiv sind – zum Beispiel im Detmolder Or ts teil Berlebeck.

Bis hierher und nicht weiter!

Die Neonazis mit ihrer menschenverachtenden und rassistischen Ideologie müssen erkennen, dass wir es sind, die Zivilgesellschaft, die ihr Grenzen auferlegt und deutlich macht: „Bis hierher und nicht weiter!“

Die unzähligen neonazistischen Gewalttaten in den letzten Jahren haben gezeigt, dass extrem rechte Weltanschauung per se gewalttätig ist. Sie beinhaltet das Recht des Stärkeren, die Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkenden. Ziel der Angriffe sind Menschen aus ganz bestimmten Gruppen: Flüchtlinge, Migranten, Jüdinnen und Juden, Obdachlose, Homosexuelle, Behinderte oder Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Somit ist die Aussage, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist, nicht nur auf den historischen Nationalsozialismus anwendbar. Sie hat eine traurige Aktualität.

Extrem rechte Gewalt wird auch dadurch motiviert, dass sie Akzeptanz in Teilen der Gesellschaft findet oder dort ignoriert wird.

Toleranz für Neonazismus und Rassismus darf es nicht geben. Darum ist bei der Bekämpfung der extremen Rechten auch die ganze Gesellschaft gefragt.

access all areas.

Vortrag & Diskussion zu Stadtentwicklung und Gentrifizierung

am Samstag ,den 19.11.2011 ab 19:00 Uhr in der Kulturwerkstatt Paderborn, Bahnhofstr. 64
anschließend: SKATHOLIKEN (SKA-Punk aus PB)

Plakat 19.11.
Reichte die Auseinandersetzung mit dem Thema Gentrifizierung 2007 noch aus, dass jemand wegen der Benutzung dieses Begriffs der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verdächtigt wurde, ist das Wort heute in aller Munde. Die Veränderung preiswerter Stadtteile in vielen Städten bedeutet für die Menschen die dort wohnen in der Regel, dass sie im Zuge dieser Veränderung zum Beispiel mit Mieten konfrontiert werden, die sie nicht mehr bezahlen können. Im Bereich der Kultur bedeutet Gentrifizierung, dass der Kommerzialisierung durch diese Veränderungen Tür und Tor geöffnet werden und subkulturelle Strukturen, die im Anfang häufig zur Attraktivität des Stadtteils beitragen verdrängt werden. Wir wollen uns in dieser Veranstaltung mit dieser Dynamik beschäftigen und aufzeigen, dass diese Dynamik auch Provinzstädte wie Paderborn in den letzten Jahren stark verändert haben. Dabei sollen nicht nur die Veränderung des Wohnraums, sondern auch die Einschränkung und Umdeutung des öffentlichen Raums diskutiert werden.