Pressemitteilung vom 25.10.2013

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

Am vergangenen Freitag, den 18.10.2013 wurde der BDP Infoladen Paderborn, in der Leostraße 75, von Neonazis angegriffen.

Nach einer Informationsveranstaltung zum Thema Gewalt und der daran anknüpfenden Diskussion befanden sich gegen 22:15 Uhr noch einige Menschen im BDP Infoladen. Gestört wurde die noch anhaltende Diskussion durch das Werfen des Informationsaufstellers, der sich während der Öffnungszeiten draußen befindet, gegen die Fensterscheibe, die sich rechts neben der Tür befindet. Die Scheibe hielt dem Aufprall aber zum Glück stand. Daraufhin verließen drei der Anwesenden den Laden, um nach der Ursache zu sehen. Draußen befand sich eine Gruppe von acht männlichen Nazis im Alter von ca. 18 – 25 Jahre, die Teilweise Fanartikel des SC Paderborn trugen und die Anwesenden mit “Sieg Heil“ begrüßten. Weitere AngreiferInnen wurden auf Grund von weiteren rassistischen Rufen unter der kleinen Unterführung gegenüber dem Infoladen vermutet. Die acht Nazis gingen anschließend auf die drei BesucherInnen los, dabei warfen die Angreifer ein Fahrrad und eine Flasche nach ihnen und versuchten sie mit Schlägen und Tritten zu treffen. Bevor die alarmierte Polizei eintraf, “verabschiedeten“ sich die Angreifer mit Parolen wie “wir sehen uns in Auschwitz wieder!“ und “wir kommen mit 10 Mann mehr wieder!“.
Ein kaputtes Fahrrad und zwei verletzte Personen sind bei der eintreffenden Polizei zur Anzeige gebracht worden.

Im Vergleich zu älteren Übergriffen ist bei diesem letzten auffällig, dass er während der regulären Öffnungszeiten stattgefunden hat. Die AngreiferInnen haben also wissentlich Personenschäden in Kauf genommen oder wollten diese wahrscheinlich sogar provozieren. Dieses stellt eine erschreckende Erhöhung der Gewaltbereitschaft der Paderborner Nazis dar.

Für weitere Nachfragen stehen wir Ihnen gerne per E-Mail unter „infoladen.​paderborn@​riseup.​net“ zu Verfügung.

20 Jahre Ferien vom Krieg

1994 – also während der blutigen Kämpfe im ehemaligen Jugoslawien – organisierten Hanne und Klaus Vack für Kinder, die in Kellern oder Notunterkünften hausten, zwei Wochen Ferien am Meer. Ein bosnischer Junge schrieb begeistert: „Dass Frieden so schön sein kann, habe ich nicht gewusst.“

Die Freizeiten im ehemaligen Jugoslawien
Nach dem Waffenstillstand waren die Grenzen zwischen den verfeindeten neuen Ländern hermetisch geschlossen. Die internationalen Helfer und Politiker hielten gemeinsame Freizeiten für undenkbar und rieten wegen der Gefährdungen davon ab. Mit Hilfe vieler ehrenamtlicher UnterstützerInnen gelang es in den folgenden Jahren, tausende Kinder und Jugendliche aus den verfeindeten Teilen Bosniens, aus Kroatien und Serbien zu gemeinsamen Ferien einzuladen. Auch gemischte Gruppen von albanischen, serbischen und Roma-Kindern aus dem Kosovo waren lange undenkbar.
In Mazedonien schrieb die Presse vom „Wunder in Ohrid“, als dort die Kinder und Jugendlichen gemeinsam Ferien machten, während ihre Väter im Norden des Landes gegeneinander kämpften.
Inzwischen organisieren ehemalige TeilnehmerInnen selbstständig Camps und Veranstaltungen, überschreiten die (unsichtbare) Grenze, wo das noch ein Tabu ist, oder haben mit einem Videoclip eine gesellschaftlich relevante Auseinandersetzung initiiert.
Im Sommer 2013 haben wir wieder ca. 300 Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien ans Meer eingeladen.

Dialogseminare für Junge Erwachsene aus Israel und Palästina
Diese Erfahrungen ermutigten uns, die Aktion Ferien vom Krieg auf den Nahen Osten auszuweiten.
Nach der erneuten Eskalation der Gewaltspirale im Nahen Osten war es im Jahr 2001 nicht leicht, auf beiden Seiten Initiativen zu finden, die noch am Dialog interessiert waren. Die oppositionelle Friedensbewegung in Israel arbeitet für die rechtliche Gleichstellung der palästinensischen Minderheit in Israel (48er) und für ein Ende der Besatzung. Ein breiter Dialog mit der anderen Seite steht nicht auf der Tagesordnung.
Doch auch von palästinensischer Seite gab es von Beginn an Einwände. Der Dialog auf Augenhöhe verfälsche den Blick auf die Realität. Es gebe eben keine gleichen Rechte, sondern nur koloniale Machthaber und gewaltsam Unterdrückte.
In jüngster Zeit wird die „Normalisierung“ der Beziehungen mit dem „Verrat am Leiden des palästinensischen Volkes“ gleichgesetzt. „Normalization“ ist nun ein Schimpfwort.
Die meisten jungen Erwachsenen aus Israel und Palästina (Westbank), die dennoch zu den Begegnungen kommen, hatten nie zuvor persönlichen Kontakt zur anderen Seite. Viele der 925 jungen Israeli kamen in den letzten Jahren, auch gegen den Rat ihrer Familien, nach Deutschland, um ausgerechnet hier „den Terroristen“ zu begegnen. Viele der 925 PalästinenserInnen aus der Westbank passierten die Checkpoints oder umgingen sie auf gefährliche Weise, um „ihren Besatzern“ zu begegnen, die sie nur mit Gewehren an Checkpoints oder von nächtlichen Razzien in ihren Häusern kennen. Auf beiden Seiten kann die Teilnahme bedrohliche Folgen haben.

Ferien vom Krieg 2013

Auch im Sommer 2013 trafen sich zwei Gruppen mit jeweils 60 Teilnehmern aus Israel und Palästina für jeweils zwei Wochen in Deutschland.
Barbara Esser ist seit 2009 Mitarbeiterin bei der Aktion Ferien vom Krieg und unterstützt die Partnerorganisationen in organisatorischen Dingen bei der Durchführung der Seminare.
Sie berichtet von zwei Wochen intensiver Arbeit der Teilnehmer und ihrer Betreuer. Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen mit dem Konflikt im Alltag, werden die Unterschiede in der Geschichtsschreibung und den kollektiven Narrativen sowie die realen Interessenkonflikte um Land und Ressourcen in moderierten Diskussionen bearbeitet. Damit sind oft Wechselbäder der Gefühle, das Einstürzen fest gefügter Weltbilder und das Durchringen zu Kompromissbereitschaft verbunden.

Die Veranstaltung findet statt am Freitag, den 17.09.2013 um 20:00 Uhr im Infoladen Paderborn, Leostr. 75

Sommerloch

Der August ist mehr oder weniger Sommerpause. Es gibt eine inhaltliche Veranstaltung, am nächsten Freitag, 9.8.:

Die NSA und das PRISIM-Programm: Wie die Geheimdienste die ganze Welt abhören

Ansonsten ist relativ regelmäßig wie gehabt tagsüber geöffnet, evtl. an den Wochenenden Kneipen. Im September gehts dann so richtig weiter!

Anbei noch ein bisschen externe Veranstaltungsinformationen die uns ein bisschen am Herzen liegen:

6.-8.9.: Antifa Workcamp in Stukenbrock-Senne! www.antifa-workcamp.de
Antifa Workcamp

12.9.-14.9.: Don’t stop moving! Rassismus bekämpfen – Nazistrukuren zerschlagen in Osnabrück; http://jako.blogsport.de/
Jugendantifa OS

lg, wir sehen uns
das ‚laden-Sekretariat

Die NSA und das PRISIM-Programm

Wie die Gemeindienste die ganze Welt abhören
Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind die US Geheimdienste aus Kontrolle. Nach dem ein ganzes Land in Angst und Schrecken versetzt wurde, erhielten die amerikanischen Sicherheitsbehörden beinahe unbegrenzten Zugang zu finanziellen Mitteln. Die Gesetze wurden in ihrem Sinne geändert und viele Grundrechte wurden eingeschränkt. Das Ergebnis ist ein totales und weltweites Überwachungsprogramm, in dem nicht nur die US-Geheimdienste mitspielen.
Wir geben einen Überblick das Ausmaß der NSA-Überwachung, untersuchen die Machenschaften Europäischen Gemeinheimdienste und geben Tipps, wie man sich schützen kann.

Am Freitag, den 9. August um 20:00 Uhr im Infoladen, Leostr. 75

NO LOVE FOR HATERS

No Love

Paderborn hat ein Problem. Die Anzahl an Nazis und extrem rechten Aktivitäten in Paderborn und Umgebung steigt drastisch an. Von Behörden und Medien ignoriert, gründen sich immer mehr Gruppen mit menschenfeindlichen Idealen und Zielen. In Paderborn alleine sind unter anderem der ‚Nationale Widerstand Paderborn‘, die ‚Domstädter‘ und die ‚Formation W‘ nur die bekanntesten Beispiele für Nazistrukturen. Zwar gab es mehrere Verurteilungen wegen Volksverhetzung gegen Mitglieder der Hooligangruppierung ‚Domstädter‘, jedoch kommentiert dies die lokale Presse nicht. Neonazis und ihre Aktivitäten bleiben ein Tabuthema der lokalen Presse, dies ist gefährlich.
Immer dreister und aggressiver gehen die Faschos/“Identitären“ (sic!) vor, so werden unzählige Personen massiv bedroht und dem bdp Infoladen wurden mal wieder die Scheiben eingeworfen. Außerdem haben sich Ende Juni rund 15 Neonazis nachts vor dem Infoladen versammelt, Aufkleber verklebt und versucht gewaltsam einzubrechen. In letzter Minute konnten dies engagierte Nachbar*innen und Polizei verhindern.
Der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass Neonazis der Gruppierungen ‚Domstädter‘ und der ehemaligen ‚Freien Kameradschaft Höxter‘ scheinbar am 20. Juli zusammen ein Camp samt Konzert in Ahden (Paderborn/ Flughafen) organisieren.

Wir sagen Schluss damit und werden nicht länger mit ansehen, wie Paderborn zur Nazihochburg verkommt!

Paderborner Bündnis gegen Rechts
& Antifaschistisches Kreisplenum Paderborn

Back-to-the-Books!

Offenes mit_lesen zum Thema „Dystopie/Utopie“

Das mit_zusammen_vor_LESEN geht in die zweite Runde! Diesmal geht es um das Thema „Dystopie_Utopie – wie könnte eine andere Gesellschaft aussehen?“ Es können Bücher, Comics, Songtexte, Texte jeder Art mitgebracht und vorgestellt werden – ist aber keine Voraussetzung, einfach nur zu_hören und mit_reden ist genau so drin. Wir freuen uns auf viel Austausch!

Im Infoladen am 19. Juli 2013, 20Uhr