Vortrag Fla Fla: 50 Jahre Fla Fla – Von der Haschhöhle zum Sozialen Zentrum

1970 in der später so genannten bundesweiten ‚Jugendzentrumsbewegung‘ begannen Jugendliche aus Herford ihre Zeit so zu gestalten wie sie es wollen – selbstbestimmt und unabhängig von irgendwelchen Autoritäten. Finanziert über Mitgliedsbeiträge und Veranstaltungen wurde vor 48 Jahren eine Lagerhalle, das ‚erste FlaFla‘ angemietet. Fast ein halbes Jahrhundert später gibt es das FlaFla immer noch und es ist aus Herford nicht mehr wegzudenken. Die ‚Haschhöhle‘ von damals hat heute ein eigenes Haus und nennt sich ‚Soziales Zentrum‘.
Der Vortrag wird einen Überblick geben über bald 50 Jahren eines selbstverwalteten Zentrums in der Provinz.

Vortrag Tommy: Häuserkampf in Paderborn

Bei dem Wort „Häuserkampf“ denken wir zu aller erst an die „Rote Flora“ in Hamburg oder die Rigaer Straße in Berlin. Doch was ist im Laufe der Zeit im beschaulichen Paderborn geschehen?
Welche Versuche gab es einen Raum für unkommerzielle und alternative Kultur zu schaffen? Woran sind die Projekte gescheitert und was können wir aus den Versuchen lernen?
Unser Referent Thomas Schroedter berichtet über den langjährigen Kampf für ein autonomes Zentrum in Paderborn. Denn aus den Zeiten von „KuKoz“, „Villa Rübezahl“ und „Rabatz“ sind zumindest Geschichten und Anekdoten geblieben, die es zu erzählen lohnt.

Dokumentation „Das ist unser Haus“

„Das ist unser Haus!“ – Räume aneignen mit dem Mietshäuser Syndikat

Gemeineigentum  – Selbstorganisation – Solidarität – Seit vielen Jahren gibt es eine  Netzwerkstruktur von mehr als 100 Hausprojekten in Stadt und Land, um die Wohnungsfrage nach anderen Werten zu organisieren: das Mietshäuser Syndikat. Finanzschwache Gruppen können sich mit der Solidarität anderer ermächtigen und so bezahlbare Räume sichern. Deshalb wächst in immer mehr Köpfen das Interesse an dieser wichtigen Initiative aus der Zivilgesellschaft.

Im 65 minütigen Film „Das ist unser Haus!“ erläutern Akteure des Mietshäuser Syndikats das Modell der kollektiven Raumaneignung und präsentieren vielseitige Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Die Zuschauer werden motiviert, eigene Projekte im stabilen solidarischen Verbund des Mietshäuser Syndikats zu starten.

Vortrag Alex Feuerherdt: It‘s not the Jews, Stupid! – Zur Kritik des antisemitischen Antikapitalismus

Gerade in ökonomisch schwierigen Zeiten sind einfache Erklärungsmuster und Verschwörungsideologien ungeheuer populär. Quer durch die politischen Lager ist die Einigkeit groß: Schuld an der Krise seien »die Banken«, »die Finanzmärkte«, »die Spekulanten« und ganz allgemein »die Gierigen und Mächtigen, die den Hals nicht voll kriegen können«. Es ist ein regressiver, also rückwärtsgewandter Antikapitalismus, der sich vielfach Bahn bricht und statt Reflexion nur Ressentiments im Gepäck hat. Der Hass auf »die da oben« gibt sich als Gesellschaftskritik aus, dabei ist er gefährliche Ideologie.

Die Nationalsozialisten personalisierten die Verantwortung für die Krise in den Juden und stellten dem angeblich schaffenden, »deutschen« Kapital ein vermeintlich raffendes, »jüdisches« Kapital gegenüber: den Finanzsektor respektive die Zirkulationssphäre. Diese falsche Aufspaltung in ein »produktives Kapital« und »das Finanzkapital« kennzeichnet auch den heutigen regressiven Antikapitalismus, der längst nicht nur von Neonazis und anderen Rechtsradikalen vertreten wird. Er greift nach wie vor auf antisemitische Stereotype, Bilder und Denkmuster zurück, auch dort, wo er sich dessen gar nicht bewusst ist.

Konstruiert wird einmal mehr ein »wir« und ein »die«: Es soll sich um den »Kampf der ehrlich Arbeitenden« gegen »die Gierigen, die die Völker aussaugen« handeln, um die Unterdrückung der »99 Prozent« durch eine Minderheit von einem Prozent, die sich die Welt untertan gemacht habe und nicht nur entmachtet, sondern beseitigt gehöre. Diesen zutiefst autoritären und demagogischen Allmachtsfantasien ist der Vernichtungswunsch bereits eingeschrieben. Der Vortrag setzt sich mit dem oberflächlichen und personalisierenden, also regressiven Antikapitalismus auseinander und beleuchtet die konstitutive Rolle, die der Antisemitismus darin spielt. Er skizziert aber auch Grundzüge einer reflektierten Kapitalismuskritik, die nicht zuletzt zwischen dem Wesen und den Erscheinungsformen des Kapitalismus zu unterscheiden vermag.

Zum Referenten: Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er schreibt für verschiedene Print- und Online-Medien zu den Themen Israel, Nahost, Antisemitismus und Fußball, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, n-tv.de, die Jungle World und die Medienbeobachtungsstelle Naher Osten in Wien. Außerdem ist er Betreiber des Blogs Lizas Welt.

Vortrag Joachim Bons: Rechte Kapitalismuskritik

Ein Vortrag von Joachim Bons.

Autonome Nationalisten demonstrieren gegen Kapitalismus und „Für einen nationalen Sozialismus“; die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ beschwört den „nationalen Antikapitalismus“ und will den „Kapitalismus zerschlagen“, und bereits die Goebbels-Zeitung „Der Angriff“ präsentierte die Nazis als „Todfeinde des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems“. Was ist von derartigen Aussagen von Parteien und Organisationen zu halten,  die die Volksgemeinschaft propagieren,  das Privateigentum als naturgegeben anerkennen und dem „genial“ tätigen, wertschaffenden Unternehmer, die Unentbehrlichkeit für Volk und Wirtschaft bescheinigen?

Drückt sich hier ein genuin antikapitalistischer Impetus, oder doch nur ein sozialdemagogisches Täuschungsmanöver aus, oder wie sind derartige Aussagen sonst im Gesamtkontext (neo-) nationalsozialistischer Ideologie zu entschlüsseln?

Wie war die soziale Frage eingebettet, und welche Antworten wurden gegeben?

Und nicht zuletzt, was können Gründe für die politische Wirksamkeit dieser Ideologie(gewesen) sein?

Diese und weitere Fragen zu Ideologie und Politik des historischen und des akturellen Nazismus wollen wir am 17.05.18 um 19.00 Uhr gemeinsam diskutieren.

Antifa-Tresen

Antifa-Tresen

Die Antifa Paderborn ***Kritik & Praxis lädt zum gemütlichen Diskutieren, Trinken, Quatschen und Austauschen ein. Bier ist günstig, über Musik lässt sich streiten… Mindestens bis 21 Uhr, je nach Lust und Laune auch länger.

Vortrag Redical M: Kritik der Konsumkritik

 

Ein Vortrag von Redical M.

Um etwas gegen die schlimmen Zustände (Hunger, Ausbeutung, Umweltverschmutzung etc.) auf dieser Welt zu unternehmen, ändern manche Menschen ihren Konsum: Es soll weniger und wenn, dann bio, fair trade oder nicht bei bestimmten Konzernen gekauft werden. „Unechte“ Bedürfnisse sollen erkannt werden, back to basics. Wir wollen diskutieren, warum diese Antwort notwendigerweise zu kurz greift und Strategien besprechen, um wirklich endlich Schluss zu machen mit Armut, Hunger und Krieg.

Der Vortrag ist so konzipiert, dass kein Vorwissen nötig ist, sondern jede*r kommen und mitdiskutieren kann.

D.I.Y. Labor

D.I.Y. Labor

Ab jetzt wird wieder selbst gemacht! Basteln, malen, werkeln, nähen, reparieren und austauschen. D.I.Y. heißt für uns zusammen kreativ sein, ohne Zwang. Es gibt kein Perfekt; cool ist was du selber machst! Und wenn du nicht weiter weißt, bekommst du hier bestimmt Unterstützung von anderen Leuten.

Wir haben einiges an Materialien und Werkzeugen da, wenn du etwas spezielles machen willst, musst du aber wahrscheinlich selber was mitbringen. Frag am Besten vorher per Mail oder persönlich im Laden was wir da haben.

Wir freuen uns auch über Geld- und Sachspenden, um auch Leute mit wenig Kohle die Kreativität zu ermöglichen.

Vortrag FAU Münsterland: Gewerkschaftliche Organisierung in der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiterunion(FAU)

Die FAU ist eine überregionale Gewerkschaftsföderation. Sie beruht auf der Idee des Anarchosyndikalismus: Anstatt sich in Parteien oder hierarchischen Gewerkschaften zu organisieren, sollten Arbeiter*innen ihre Interessen selber in die Hand nehmen. Einerseits dient die Gewerkschaft dazu, konkrete Verbesserungen für ihre Mitglieder durch Mittel des Arbeitskampfes zu erstreiten, andererseits ist das Ziel, eine Alternative zur kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu entwickeln. Die kollektive Praxis dient dabei auch der Entwicklung einer Kultur der Selbstorganisation und Herrschaftsfreiheit, die die gegenwärtigen hierarchischen Strukturen ablösen soll.
 
Der Vortrag stellt die Idee des Anarchosyndikalismus sowie die Praxis der Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union vor. Anhand aktueller Arbeitskämpfe wird deutlich, wie stark sich die Arbeitswelt verändert hat und neue Antworten der Gewerkschaften erfordert. Welche Perspektiven bietet der anarchosyndikalistische Ansatz dafür? Wie stehen die Chancen für eine kämpferische Gewerkschaftsbewegung heute? Was können wir aus den aktuellen sozialen Kämpfen lernen? Über diese Fragen besteht nach dem Vortrag ausreichend Gelegenheit und sicher auch Anlass zur Diskussion.

Vortrag Peter Nowak: Ein Streik steht, wenn mensch ihn selber macht – über die Arbeitskämpfe nach dem Ende der großen Fabriken.

Der über Jahre dauernde Arbeitskampf bei  Amazon hat deutlich gemacht, dass Streiks durchaus nicht der Vergangenheit angehören. Was neu ist die außerbetriebliche Streiksolidarität, die wesentlich von außerparlamentarischen Linken getragen wird.  Doch in der letzten Zeit wurden Arbeitskämpfe auch in Branchen geführt, die gemeinhin als schwer oder gar nicht organisierbar galten. So gab es in Berlin einen erfolgreichen Arbeitskampf in einem Spätkauf, Gefangene gründen eine Gewerkschaft,  Geflüchtete kämpfen für das Recht auf Gewerkschaftsmitgliedschaft. Und in Norditalien haben migrantische Logistikarbeiter_innen gemeinsam mit einer linken Basisgewerkschaft über Jahre für ihre Reche gekämpft.

Einige Facetten dieser neuen  Streiks und Arbeitskämpfe wird der Journalist Peter Nowak auf der Veranstaltung vorstellen. Er hat in der Edition Assemblage das Buch „Ein Streik steht,wenn mensch ihn selber macht“ veröffentlicht.