20 Jahre Ferien vom Krieg

1994 – also während der blutigen Kämpfe im ehemaligen Jugoslawien – organisierten Hanne und Klaus Vack für Kinder, die in Kellern oder Notunterkünften hausten, zwei Wochen Ferien am Meer. Ein bosnischer Junge schrieb begeistert: „Dass Frieden so schön sein kann, habe ich nicht gewusst.“

Die Freizeiten im ehemaligen Jugoslawien
Nach dem Waffenstillstand waren die Grenzen zwischen den verfeindeten neuen Ländern hermetisch geschlossen. Die internationalen Helfer und Politiker hielten gemeinsame Freizeiten für undenkbar und rieten wegen der Gefährdungen davon ab. Mit Hilfe vieler ehrenamtlicher UnterstützerInnen gelang es in den folgenden Jahren, tausende Kinder und Jugendliche aus den verfeindeten Teilen Bosniens, aus Kroatien und Serbien zu gemeinsamen Ferien einzuladen. Auch gemischte Gruppen von albanischen, serbischen und Roma-Kindern aus dem Kosovo waren lange undenkbar.
In Mazedonien schrieb die Presse vom „Wunder in Ohrid“, als dort die Kinder und Jugendlichen gemeinsam Ferien machten, während ihre Väter im Norden des Landes gegeneinander kämpften.
Inzwischen organisieren ehemalige TeilnehmerInnen selbstständig Camps und Veranstaltungen, überschreiten die (unsichtbare) Grenze, wo das noch ein Tabu ist, oder haben mit einem Videoclip eine gesellschaftlich relevante Auseinandersetzung initiiert.
Im Sommer 2013 haben wir wieder ca. 300 Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien ans Meer eingeladen.

Dialogseminare für Junge Erwachsene aus Israel und Palästina
Diese Erfahrungen ermutigten uns, die Aktion Ferien vom Krieg auf den Nahen Osten auszuweiten.
Nach der erneuten Eskalation der Gewaltspirale im Nahen Osten war es im Jahr 2001 nicht leicht, auf beiden Seiten Initiativen zu finden, die noch am Dialog interessiert waren. Die oppositionelle Friedensbewegung in Israel arbeitet für die rechtliche Gleichstellung der palästinensischen Minderheit in Israel (48er) und für ein Ende der Besatzung. Ein breiter Dialog mit der anderen Seite steht nicht auf der Tagesordnung.
Doch auch von palästinensischer Seite gab es von Beginn an Einwände. Der Dialog auf Augenhöhe verfälsche den Blick auf die Realität. Es gebe eben keine gleichen Rechte, sondern nur koloniale Machthaber und gewaltsam Unterdrückte.
In jüngster Zeit wird die „Normalisierung“ der Beziehungen mit dem „Verrat am Leiden des palästinensischen Volkes“ gleichgesetzt. „Normalization“ ist nun ein Schimpfwort.
Die meisten jungen Erwachsenen aus Israel und Palästina (Westbank), die dennoch zu den Begegnungen kommen, hatten nie zuvor persönlichen Kontakt zur anderen Seite. Viele der 925 jungen Israeli kamen in den letzten Jahren, auch gegen den Rat ihrer Familien, nach Deutschland, um ausgerechnet hier „den Terroristen“ zu begegnen. Viele der 925 PalästinenserInnen aus der Westbank passierten die Checkpoints oder umgingen sie auf gefährliche Weise, um „ihren Besatzern“ zu begegnen, die sie nur mit Gewehren an Checkpoints oder von nächtlichen Razzien in ihren Häusern kennen. Auf beiden Seiten kann die Teilnahme bedrohliche Folgen haben.

Ferien vom Krieg 2013

Auch im Sommer 2013 trafen sich zwei Gruppen mit jeweils 60 Teilnehmern aus Israel und Palästina für jeweils zwei Wochen in Deutschland.
Barbara Esser ist seit 2009 Mitarbeiterin bei der Aktion Ferien vom Krieg und unterstützt die Partnerorganisationen in organisatorischen Dingen bei der Durchführung der Seminare.
Sie berichtet von zwei Wochen intensiver Arbeit der Teilnehmer und ihrer Betreuer. Ausgehend von den persönlichen Erfahrungen mit dem Konflikt im Alltag, werden die Unterschiede in der Geschichtsschreibung und den kollektiven Narrativen sowie die realen Interessenkonflikte um Land und Ressourcen in moderierten Diskussionen bearbeitet. Damit sind oft Wechselbäder der Gefühle, das Einstürzen fest gefügter Weltbilder und das Durchringen zu Kompromissbereitschaft verbunden.

Die Veranstaltung findet statt am Freitag, den 17.09.2013 um 20:00 Uhr im Infoladen Paderborn, Leostr. 75

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