WWF zwischen Naturschutz und Greenwashing

„Der WWF will der weltweiten Naturzerstörung Einhalt gebieten und eine Zukunft gestalten, in der Mensch und Natur in Harmonie leben“, sagt er. Seltsame Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen, fragwürdige Geschäftspraktiken und käufliches Greenwashing werfen einen dunklen Schatten auf eine der vertrauenswürdigsten Marken der Welt.
Im April erschien das „Schwarzbuch WWF“, im Vorjahr der Film „Der Pakt mit dem Panda“. Beide offenbaren Abgründe und lassen den Glauben an das Gute in der Welt verzweifeln.

«Wir wollen keinen Wischiwaschi-Umweltschutz», sagt Thomas Vellacott, der CEO des WWF Schweiz, mit 260’000 Mitgliedern die grösste Umweltorganisation des Landes. Ob der neue Chef, früher Berater bei McKinsey und zuletzt für die Beziehungen zwischen WWF und Wirtschaft zuständig, der richtige Mann ist, das Steuer herumzureissen, wird sich weisen. Mit «Wischiwaschi» wird er auf jeden Fall zu tun haben, genauer gesagt mit «Greenwashing». Das wirft nämlich der mehrfach preisgekrönte deutsche Filmer und Autor Wilfried Huismann in seinem viel beachteten Film «Der Pakt mit dem Panda» und seit kurzem im «Schwarzbuch WWF» der weltweit grössten Umweltorganisation vor. Um die Zusammenarbeit mit den Multis zu fördern, hat der WWF runde Tische ins Leben gerufen, in denen Industrie und WWF privat Nachhaltigkeitsstandards definieren und die entsprechenden Produkte mit einem Label versehen.

Das Ausmass dieses Greenwashing ist enorm: So rodet der weltgrösste Palmölkonzern Wilmar auf Kalimantan 300’000 Hektar Urwald, zwei Prozent lässt er als Schutzgebiet stehen (aus dem die Ureinwohner wie aus den anderen Gebieten vertrieben werden) und kann nun sein Palmöl mit einem Nachhaltigkeits-Zertifikat vertreiben. Auch Gentech-Soja wird dank eines Labels des Round Table for Responsible Soy» als nachhaltig verkauft. Und Holz mit dem FSC-Label, eine weitere Initiative des WWF, kann durchaus aus Kahlschlag stammen.

Der WWF kann sich nicht mit dem Hinweis aus der Verantwortung ziehen, dass er diese Roundtables nicht mehr führt und die Projekte von externen Firmen kontrolliert werden. Nur dank dem WWF haben sie noch ein bisschen Glaubwürdigkeit, und dafür wird er auch fürstlich honoriert, wenn auch nur auf Umwegen. Unter anderem spendete die HSBC-Bank, das führende Geldhaus zur Finanzierung von Palmöl-Projekten, für ein gemeinsames Projekt mit dem WWF 100 Mio. Dollar, das allerdings ausserhalb der Bilanz geführt wird.

Der WWF ist sich der Problematik seiner zweispältigen Politik durchaus bewusst. Aber anstatt sich von Monsanto und Gentech-Soja zu distanzieren, verlegt er lieber den Sitz des Round Table for Responsible Soy von der Hohlstrasse 110, dem Sitz des WWF Schweiz, an einen weniger verräterischen Ort.

Wenn der neue WWF-Chef tatsächlich keinen Wischiwaschi-Umweltschutz will, dann muss sich der WWF Schweiz von diesen Aktivitäten, die von der weltweiten WWF-Zentrale aus eingefädelt werden, distanzieren. Davon ist allerdings wenig zu spüren. Im Gegenteil: Der WWF führt einen regelrechten Krieg gegen den Film und das Buch, mit nunmehr 15 einstweiligen Verfügungen. Federführend ist der Berliner Medien- und Promianwalt Christian Schertz, besonders erfolgreich in der Sparte, missliebige politische Bücher aus dem Verkehr zu ziehen. Ob es bei den gerichtlichen Attacken um wahrheitsgemässe Darstellung oder einfach um Einschüchterung geht, ist unklar.

Am 15. Juni verhandelt das Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung, die die WWF-Mitarbeiterin Dörte Bieler damit begründet, sie sei von Huismann im Anschluss an eine Konferenz entgegen der Abmachung zu Themen befragt worden, die mit ihrem Referat nichts zu tun gehabt hätten. Huisman, der das Referat aufgezeichnet hat, sieht der Verhandlung gelassen entgegen. Aber der Buchhandel ist bereits eingeknickt. Auf die Drohung der Kanzlei Schertz Bergmann, im Falle einer Verurteilung von Huisman auf Schadenersatz zu klagen, haben Amazon und die deutschen Buchhandelsgrossisten das «Schwarzbuch WWF» kurzerhand aus dem Angebot gestrichen. Für Rainer Dresen, den Juristen der Verlagsgruppe Random House, ist das «massive Auftreten [des WWF] bisher singulär» – und der Verlag hat schon Schwarzbücher über Scientology oder die Waldorfschulen veröffentlicht.

Der Vorgang zeigt, wie weit die Pressefreiheit schon ausgehöhlt ist – vom Markt, nicht von den Gerichten. Beim Verlag, kleineren Internet-Versendern und in der Schweiz ist das Buch nach wie vor erhältlich. Das Buch ist spannend wie ein Krimi, was es ja auch ist. Es ist aber auch erschütternd, wie unkritisch die Öffentlichkeit mit dem von Grosswildjägern gegründeten Club umgeht. 260’000 «Mitglieder» zählt der WWF Schweiz, die offenbar nicht einmal merken, dass sie nichts zu sagen haben. Denn der WWF ist eine Stiftung und kein Verein, in dem die Mitglieder die Geschäftsleitung zur Rechenschaft ziehen können.

Am Freitag, den 20. Juli um 20:00h im Infoladen, Leostr. 75

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